Doppelkapelle Landsberg 23.10.2001
Fachleute tragen Spezialmischung auf bröckelnde Fassade auf
Von Daniela Kainz, Mitteldeutsche Zeitung

Landsberg/MZ. Der Blick auf die Landsberger Doppelkapelle bleibt Besuchern zurzeit verwehrt. Riesige Planen verdecken die Sicht auf das unter Denkmalschutz stehende Gebäude. Neugierige, die hinter die Abdeckung schauen, entdecken ein großes Gerüst am Gotteshaus.

Fachleute wie Wolfgang Grübner haben dort in luftiger Höhe für die nächsten Tagen und Wochen ihren Arbeitsplatz gefunden. Die Männer tragen einen schützenden Putz auf die Fassade der um 1170 erbauten Kapelle auf. "Die Spezialmischung soll das Mauerwerk vor dem weiteren Verfall bewahren", erklärt Rolf Mutrack von der Denkmalschutzbehörde des Saalkreises den Grund für diese Arbeiten.

Thomas Zagelmaier vom zuständigen Planungsbüro zufolge handelt es sich um eine "rein konservatorische Maßnahme". Mit Hilfe des Putzes soll das Bauwerk für die nächsten Jahrhunderte vor schädlichen Witterungseinflüssen geschützt werden.

Untersuchungen hatten ergeben, dass der verarbeitete Porphyr im Laufe der Zeit an manchen Stellen sehr brüchig geworden war. Mutrack: "Das Mauerwerk erinnert an ein Blätterteig-Gebäck."

Als Ursache für den Zerfall sehen die Experten unter anderem eine "überdurchschnittlich hohe Schadstoffbelastung" des Mauerwerkes. Nässe und bauschädliche Salze würden den Zustand zusätzlich verschlechtern. Beispielsweise durch Vogelkot sollen die Stoffe in die Bauhülle des Gotteshauses gelangt sein. Die Schäden sind nach den Worten von Mutrack Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden, als die Außenmauer freigelegt wurde. Vorher, so ist bekannt, war die Doppelkapelle verputzt.

Mit der neuen Putzschicht sollen die Steine jetzt der Verwitterung entzogen werden. Die für Landsberg zusammengestellte Spezialmischung ohne zusätzliche Farbzugabe besteht aus Kalk und Porphyrsplitt. "Anfangs wird der Putz relativ hell aussehen, mit der Zeit wird er die Farbe des jetzigen Erscheinungsbildes der Doppelkapelle annehmen", sagt Fachmann Zagelmaier über die Besonderheiten.

Den gegenwärtigen Arbeiten ging eine grundhafte Sanierung der Fassade voraus. Pro Jahr wurde jeweils eine Seite der Doppelkapelle mit Hilfe von Fördermitteln aus verschiedenen Töpfen von Spezialisten in Ordnung gebracht.

Die schützende Außenhaut soll nun bis zum Jahresende komplett auf die Fassade aufgetragen werden. Zagelmaier erklärt: "Bevor es richtig kalt wird, müssen wir die Arbeit geschafft haben." So würden sich seine Leute über jeden neuen Tag freuen, an dem ihnen das Wetter hold sei.