Die Rüstungen fallen

VON MICHAEL TEMPEL, 10.01.12, Mitteldeusche Zeitung

Der Neubau für die Bundeskulturstiftung ist noch verhüllt, daneben ist bereits die sanierte Waisenhaus-Buchhandlung zu sehen. (FOTO: JAN MÖBIUS)
HALLE (SAALE)/MZ. Edmund Baron ist voller Vorfreude. Noch befindet sich die von ihm geleitete Lippertsche Buchhandlung im Behelfsquartier im einstigen Wohnhaus August Hermann Franckes auf dem Gelände der gleichnamigen Stiftungen. Doch der Wiedereinzug in das angestammte Ladengeschäft am Eckhaus Franckeplatz / Steinweg rückt näher - und damit wesentlich bessere Arbeitsbedingungen. Die Sanierung des im 16. Jahrhundert errichteten Hauses ist fast beendet. Ohne Rüstung und mit rekonstruierter Außenhaut erstrahlt das Denkmal in neuem, alten Glanz.

Wie Baron sagt, steht jetzt noch der Innenausbau des Geschäfts, das als Waisenhaus-Buchhandlung bekannt ist, bevor. "Der alte Laden war sehr verwinkelt. Jetzt gibt es einen großen Verkaufsraum", erklärt der 60-Jährige. Darüber hinaus könne seine Buchhandlung , zu der auch ein Antiquariat gehört, künftig den alten Gewölbekeller nutzen. "Dort kommt ein Teil des Antiquariats hinein", so Baron.

Die Sanierung des Eckhauses, das Teil des Stiftungskomplexes ist, kostet rund vier Millionen Euro. Einen Großteil der Arbeiten haben Meister Matthias Süß und seine Kollegen von der Firma Leinetaler erledigt. "Das Haus hat uns gleich vor mehrere Herausforderungen gestellt", erzählt Süß. So habe der alte Gewölbekeller per Hand tiefer geschachtet werden müssen. "Zudem hat der Keller Stück für Stück eine wasserdichte Betonwanne als Schutz vor Nässe von unten bekommen." Außerdem standen die Teilerneuerung des Fachwerks, neue Fenster und ein neues Dach auf der Sanierungsliste. Interessantes Detail: Der Dachstuhl wurde auf einer Haushälfte neu errichtet - und zwar denkmalgerecht. Laut Süß heißt das, dass der Neubau genauso schief wie die Originalkonstruktion ist. Süß: "An dem Haus ist es im Laufe der Zeit zu Setzungserscheinungen gekommen."

Diese und viele weitere interessante Fakten zur Sanierung wird sich auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erläutern lassen, wenn er am 24. / 25. März (zur Francke-Feier) die Waisenhaus-Buchhandlung und das neu gestaltete Eingangsareal der Stiftungen offiziell mit einweiht. Laut Stiftungs-Sprecherin Kerstin Heldt soll die Zufahrt zu den Stiftungern aber bereits Ende Januar wieder frei sein. Bislang ist sie durch einen Bauzaun gesperrt. Bemerkenswert, wie die einst heruntergekommenen Stiftungen ihr Gesicht gewandelt haben. Mit einem Millionen-Aufwand ist bereits ein Großteil der alten Schulstadt saniert worden. Erst Ende 2011 ist die Stiftungsgeschäftsstelle in das hergerichtete alte Back- und Brauhaus gezogen.

Daneben bezieht bald das Staatliche Seminar für Lehrämter ein weiteres, für vier Millionen Euro saniertes Gebäude. Im Juni will die Bundeskulturstiftung mit 35 Mitarbeitern ihren Drei-Millionen-Euro-Neubau in Beschlag nehmen, der neben der Waisenhaus-Buchhandlung entsteht. Der ist aber noch eingerüstet. Zudem laufen die Modernisierungen am Latina-Gymnasium. Laut Heldt wird die Sanierung des Stiftungsareals in den kommenden Jahren am historischen Kinderkrankenhaus, an der Canstein-Bibeldruckerei und an der Bauhof-Scheune fortgesetzt.