Maria schwebt vom Himmel

VON KATJA PAUSCH, MZ
Die Plastiken
Bauarbeiter versenken eine der tonnenschweren Plastiken im Fundament. (FOTO: MZ)
Halle (Saale)/MZ. Es ist genau eine Minute nach acht Uhr morgens, als Günter Hödel bei gefühlten Minusgraden den Ausleger seines Riesenkrans über den Vorplatz des Krankenhauses Martha-Maria in der Dölauer Röntgenstraße schwenkt. Am Haken hat der Kranführer fast sechs Tonnen Beton hängen: eine geballte Ladung Kunst.

"Maria" ist eine der beiden schwerlastigen Skulpturen betitelt, die an diesem frühen Freitagmorgen auf dem neu gestalteten Klinikareal ihren endgültigen Platz finden sollen. Geschaffen wurden die Figuren von Elisabeth Howey, die als Siegerin aus einem Kunst-Wettbewerb zur Gestaltung des Vorplatzes hervorgegangen war und den entsprechenden Auftrag erhalten hatte. Dabei sollte das Leitmotiv des Krankenhauses, das mit "Martha-Maria" Namen aus der biblischen Geschichte trägt, umgesetzt werden.

"Die Skulpturen Martha und Maria sollen die beiden Säulen der Klinikarbeit symbolisieren", erzählt deren Schöpferin, während Bauarbeiter die riesigen Objekte in die vorgesehenen Fundamente senken. Martha als Helfende entspreche dabei der aktiven fachlichen medizinischen Betreuung, während Maria als die Hörende für die seelische, Trost spendende Seite im Klinikalltag stehe. "Beide Figuren haben etwas Rätselhaftes an sich, sie sollen eine ganz bestimmte Atmosphäre verbreiten", so die Künstlerin, die sich durchaus ein Berühren der Figuren wünscht.

Gut eineinhalb Jahre hat die Bildhauerin, Absolventin der halleschen Kunsthochschule Burg Giebichenstein, an den 5,8 beziehungsweise 6,2 Tonnen schweren Figuren gearbeitet. Zunächst wurde für jede Skulptur ein Modell in Originalgröße erstellt, von dem eine Gussform abgenommen wurde. "Allein an den Gussformen habe ich zwei Monate gearbeitet", so Howey. Es sei äußerst spannend, mit Beton ein Material mit technischem Hintergrund zu runden, offenen Formen zu verarbeiten, mit denen die Bildhauerin zu Urformen des Lebens, aber auch der Kunst zurückfinden wolle.

Wie Martha und Maria nun an Ort und Stelle wirken, konnte die Künstlerin gemeinsam unter anderem mit dem technischen Leiter des Krankenhauses, Jürgen Seiffert, gestern während der Aktion erstmalig erleben. "Es ist schon ein sehr schönes Gefühl, die Skulpturen in ihrem neuen Umfeld zu sehen", sagt Elisabeth Howey, die nicht nur die Figuren, sondern auch den gesamten Platz konzipiert und umgestaltet hat.